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Freiheitsstrafe Strafmass Pruefen
ASecurityFür Freiheitsstrafe — Strafmass prüfen: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt. Fachgebiet: Strafzumessung. Route: freiheitsstrafe-strafmass-pruefen.
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name: freiheitsstrafe-strafmass-pruefen
title: Freiheitsstrafe — Strafmass pruefen
description: 'Für Freiheitsstrafe — Strafmass prüfen: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt. Fachgebiet: Strafzumessung. Route: freiheitsstrafe-strafmass-pruefen.'
author: Klotzkette
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# Freiheitsstrafe — Strafmass pruefen
## Worum geht es?
Sobald feststeht, dass Freiheitsstrafe verhaengt wird, ist innerhalb des konkreten Strafrahmens die **Hoehe** zu bestimmen. Grundlage ist § 46 StGB. § 38 StGB regelt die zeitige Freiheitsstrafe (1 Monat bis 15 Jahre), § 39 StGB die Bemessung (Monate, Jahre und Monate). Die Hoehe entscheidet ueber Bewaehrungsfaehigkeit (§§ 56, 57 StGB).
## Wann brauchen Sie diese Skill?
- Sie verteidigen in der Hauptverhandlung und plaedieren auf konkrete Strafhoehe.
- Sie pruefen den Strafantrag der Staatsanwaltschaft auf Angemessenheit.
- Sie sondieren eine Verstaendigung; Strafrahmen-Untergrenze und -Obergrenze bilden den Handlungsspielraum.
- Sie schreiben die Strafzumessung im Urteil oder pruefen sie revisionsmaessig.
## Rechtliche Grundlagen
- **§ 38 StGB** — Zeitige Freiheitsstrafe 1 Monat bis 15 Jahre; lebenslang.
- **§ 39 StGB** — Bemessung: bis 1 Jahr in vollen Wochen und Monaten; ueber 1 Jahr in Jahren und Monaten.
- **§ 46 StGB** — Grundsatz; vgl. `paragraph-46-stgb-grundsatz-strafzumessung`.
- **§ 47 StGB** — Vorrang Geldstrafe bei kurzer Freiheitsstrafe; vgl. `geldstrafe-vs-freiheitsstrafe-47-stgb`.
- **§ 56 StGB** — Aussetzung zur Bewaehrung; vgl. `bewaehrung-56-stgb-positive-sozialprognose`.
- **§ 57 StGB** — Aussetzung des Strafrests bei zeitiger Freiheitsstrafe.
- **§ 57a StGB** — Aussetzung des Strafrests bei lebenslanger Freiheitsstrafe (besondere Schwere der Schuld § 57a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB).
## Strafzumessungs-Grundsatz
- **Spielraum schuldangemessener Strafe**: Ober- und Untergrenze; innerhalb davon nach Praevention bemessen.
- **Wechselwirkung Strafhoehe und Bewaehrung**:
- Bis 1 Jahr: Bewaehrung Regelfall bei positiver Sozialprognose (§ 56 Abs. 1 StGB).
- 1 bis 2 Jahre: Bewaehrung moeglich, aber nur bei besonderen Umstaenden (§ 56 Abs. 2 StGB).
- Ueber 2 Jahre: keine Bewaehrung mehr.
- Verteidigung achtet darauf, ob ein Strafmass moeglichst unter 2 Jahre (und idealerweise unter 1 Jahr) liegt.
## Schritt-fuer-Schritt-Anleitung
1. **Konkreten Strafrahmen** feststellen (vgl. `strafrahmen-und-strafzumessungsstufen`).
2. **Schuldrahmen-Spielraum** bilden: untere und obere Grenze schuldangemessener Strafe.
3. **Strafzumessungstatsachen** aus § 46 Abs. 2 StGB sammeln und gewichten (vgl. `strafzumessungs-tatsachen-46-ii-stgb`).
4. **Strafmilderungsgruende** pruefen: §§ 46a, 17, 21, 23 Abs. 2, 27 Abs. 2, 28 Abs. 1, 49 StGB.
5. **Bewaehrungsperspektive** im Blick: Wenn 1-Jahres- oder 2-Jahres-Schwelle in Reichweite, Argumente entsprechend ausrichten.
6. **Lange Verfahrensdauer** als Kompensationsfaktor pruefen (Art. 6 EMRK; Vollstreckungsmodell der st. Rspr.).
7. **Anrechnung** U-Haft / Auslieferungshaft nach § 51 StGB; vgl. `freiheitsstrafe-ohne-bewaehrung-vollstreckung`.
## Faustwerte (orientierend, kein Praejudiz)
| Tatbestandsbereich | Typischer Bereich |
|---|---|
| Einfacher Diebstahl § 242 Erstverstoss | 30-90 Tagessaetze; selten Freiheitsstrafe |
| Wohnungseinbruchsdiebstahl § 244 Abs. 4 (Mindeststrafe 1 Jahr) | 1 bis 3 Jahre |
| Betrug § 263 mittlere Schaeden | Geldstrafe bis 1 Jahr |
| Betrug § 263 schwere Schaeden / gewerbsmaessig | 1 bis 3 Jahre |
| Koerperverletzung § 223 ohne Vorbelastung | Geldstrafe bis 6 Monate |
| Gefaehrliche Koerperverletzung § 224 | 6 Monate bis 3 Jahre |
| Schwere Koerperverletzung § 226 | 1 Jahr bis 10 Jahre |
| Raub § 249 Abs. 1 | Mindeststrafe 1 Jahr, oft 2-4 Jahre |
| Schwerer Raub § 250 Abs. 1 | 3 bis 6 Jahre |
| Totschlag § 212 | 5 bis 15 Jahre |
| Mord § 211 | lebenslang |
Diese Werte ersetzen **keinen** Einzelfall; sie zeigen, wo regional, gerichtsbezogen und individuell zumeist Verhandlungsraum liegt.
## Verteidigungs-Hebel
- Strafmilderungsgruende konsequent aufzeigen: §§ 46a, 17, 21 StGB.
- Lange Verfahrensdauer ruegen und Kompensation einfordern.
- Bewaehrungsperspektive sichern: Argumente zur Sozialprognose vorbereiten.
- Wirtschaftliche und persoenliche Verhaeltnisse substantiiert vortragen.
## Antrags-Strategie Staatsanwaltschaft
- Antragstrafe darf nicht hinter der Schuld zurueckbleiben.
- Bei Bewaehrungsantrag konkret Vortrag zur Sozialprognose.
- Bei keinem Bewaehrungsantrag konkret zu den negativen Prognosefaktoren.
- Strafzumessungsrichtlinien der Landes-Justizverwaltungen koennen orientieren (siehe je nach Bundesland; nicht bindend).
## Typische Fehler
- **Schuldrahmen-Begruendung fehlt**: Urteil nennt nur den konkret verhaengten Wert ohne Bandbreite; revisionsanfaellig.
- **Bewaehrungsschwelle** uebersehen: Strafhoehe knapp ueber 2 Jahren ohne Begruendung der Schwere; Verteidigung sollte vor Urteilsverkuendung punktgenau argumentieren.
- **Lange Verfahrensdauer** nicht kompensiert.
- **U-Haft-Anrechnung** in der Urteilsformel uebersehen (§ 51 StGB).
- **Doppelverwertung** Tatbestandsmerkmale.
## Querverweise
- `paragraph-46-stgb-grundsatz-strafzumessung` — Grundsatz.
- `strafrahmen-und-strafzumessungsstufen` — Strafrahmen vor Zumessung.
- `bewaehrung-56-stgb-positive-sozialprognose` — Bewaehrung.
- `freiheitsstrafe-ohne-bewaehrung-vollstreckung` — Vollstreckung.
- `gesamtstrafenbildung-53-54-stgb-erste-instanz` — bei Mehrtat.
## Quellen und Stand 05/2026
- §§ 38, 39, 46, 47, 49, 51, 56-57a StGB in der geltenden Fassung.
- Art. 6 Abs. 1 EMRK Verfahrensdauer.
- Quellenregel: vgl. `references/zitierweise.md`.
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