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[](https://www.skillsdirectory.com/skills/thomasmoreai-anspruchsgrundlage-finden-laienhilfe)
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name: anspruchsgrundlage-finden-laienhilfe
title: Welche Norm traegt Ihren Anspruch?
description: 'Für Welche Norm trägt Ihren Anspruch?: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Tatbestands- oder Anspruchsmatrix.'
author: Klotzkette
author_url: https://github.com/Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/tree/main/selbstvertreter-amtsgericht/skills/anspruchsgrundlage-finden-laienhilfe
license: Apache-2.0
version: 0.1.0
execution_mode: open
jurisdiction: de
practice: litigation
language: de
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# Welche Norm traegt Ihren Anspruch?
## Worum geht es?
Jede Klage braucht eine **Anspruchsgrundlage** — eine Norm im BGB oder Spezialgesetz, die Ihren Anspruch rechtfertigt. Ohne Anspruchsgrundlage ist die Klage unschluessig (= sie scheitert schon an sich, ohne dass das Gericht in den Sachvortrag einsteigt). Diese Skill fuehrt Sie durch die haeufigsten Anspruchsgrundlagen in Amtsgerichts-Prozessen.
## Wann brauchen Sie diese Skill?
- Sie wissen, **was** Sie wollen (Geld, Lieferung, Unterlassung), aber nicht **warum** rechtlich.
- Sie sollen den Anspruch in der Klageschrift "benennen".
- Sie wollen prüfen, welche Tatsachen Sie vortragen müssen.
## Fachbegriffe (kurz erklaert)
- **Anspruchsgrundlage**: Norm, aus der sich Ihr Anspruch ergibt (z. B. "§ 433 II BGB").
- **Tatbestandsmerkmale**: Voraussetzungen, die die Norm verlangt.
- **Rechtsfolge**: Was die Norm gewaehrt (z. B. Zahlung, Herausgabe, Schadensersatz).
- **Sekundaeranspruch**: Anspruch, der entsteht, wenn der Primaeranspruch verletzt wurde (z. B. Schadensersatz bei nicht-Erfuellung).
## Rechtsgrundlagen
- **§ 433 BGB** — Kaufvertrag.
- **§ 631 BGB** — Werkvertrag.
- **§ 535 BGB** — Mietvertrag.
- **§ 280 BGB** — Schadensersatz wegen Pflichtverletzung.
- **§ 281 BGB** — Schadensersatz statt Leistung.
- **§ 311a BGB** — Schadensersatz bei anfaenglicher Unmoeglichkeit.
- **§ 311 II BGB i. V. m. § 280 BGB** — Schadensersatz aus c.i.c.
- **§ 677 ff. BGB** — Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA).
- **§ 985 BGB** — Eigentums-Herausgabeanspruch.
- **§ 823 BGB** — Delikt (unerlaubte Handlung).
- **§ 812 BGB** — Bereicherungsanspruch.
## Schritt-für-Schritt-Anleitung
### Schritt 1 — Prüfungsreihenfolge merken
Nach der Methodik des deutschen Zivilrechts prüfen Sie:
1. **Vertrag** (primaere und sekundaere Ansprueche)
2. **c.i.c.** (Vertragsanbahnung)
3. **GoA** (Geschäftsführung ohne Auftrag)
4. **Dingliche Ansprueche** (Eigentum, § 985)
5. **Delikt** (§ 823 ff.)
6. **Bereicherung** (§ 812 ff.)
Diese Reihenfolge ist nicht zwingend, aber didaktisch hilfreich. Bei Konkurrenzen können mehrere Anspruchsgrundlagen nebeneinander stehen — Sie nennen dann alle.
### Schritt 2 — Vertrag prüfen
Haben Sie mit der Gegenseite einen **Vertrag** geschlossen?
- Kaufvertrag — § 433 BGB.
- Werkvertrag (Reparatur, Bau) — § 631 BGB.
- Dienstvertrag (Arbeitsleistung) — § 611 BGB.
- Mietvertrag — § 535 BGB.
- Leihe, Schenkung, Darlehen — §§ 598, 516, 488 BGB.
Wenn ja, ist der Primaeranspruch oft der Vertragsanspruch (z. B. Kaufpreis, Lohn). Sekundaeranspruch bei Verletzung: § 280 BGB.
### Schritt 3 — c.i.c. prüfen
Wenn der Vertrag nicht zustande gekommen ist, aber die Gegenseite Sie waehrend der Anbahnung verletzt hat (z. B. falsche Auskunft), dann **culpa in contrahendo** (§ 311 II i. V. m. § 280 BGB).
### Schritt 4 — Dingliche Ansprueche
Wenn Sie **Eigentümer** einer Sache sind, die ein anderer besitzt: § 985 BGB Herausgabeanspruch. Beispiel: Geliehene Werkzeuge, die nicht zurueckgegeben werden.
### Schritt 5 — Delikt
Wenn jemand Sie **rechtswidrig und schuldhaft** verletzt hat (Sache, Koerper, Eigentum): § 823 BGB. Beispiele:
- Verkehrsunfall (auch § 7 StVG).
- Sachbeschaedigung.
- Koerperverletzung.
### Schritt 6 — Bereicherung
Wenn jemand etwas auf Ihre Kosten erlangt hat, ohne Rechtsgrund: § 812 BGB.
- Versehentliche Überweisung.
- Doppelzahlung.
- Bezahlte Leistung, die der Verkaeufer nicht erbringen kann.
### Schritt 7 — Beispiele
Beispiel 1: "Ich habe ein Sofa für 800 EUR gekauft, Verkaeufer liefert nicht."
- Vertragsanspruch § 433 I BGB (Lieferung).
- Bei Verspaetung: Verzug, Schadensersatz § 280 II BGB.
- Bei Ruecktritt: Rueckzahlung § 346 BGB.
Beispiel 2: "Ein Nachbar hat versehentlich mein Auto angefahren."
- Delikt § 823 I BGB.
- Bei Kfz auch § 7 StVG.
Beispiel 3: "Ich habe meinen Cousin 1.000 EUR geliehen, der zahlt nicht."
- Darlehen § 488 BGB.
- Wenn Faelligkeit gekommen: Rueckzahlungsanspruch.
Beispiel 4: "Ich habe an die falsche IBAN ueberwiesen."
- Bereicherung § 812 I 1 Alt. 1 BGB.
Beispiel 5: "Mein Vermieter macht keine Reparatur, Wasser tropft."
- Mietvertrag § 535 I 2 BGB (Mangelbeseitigung).
- Mietminderung § 536 BGB.
## Worauf Sie besonders achten müssen
- **Mehrere Anspruchsgrundlagen sind Regel, nicht Ausnahme**. Bei Verkehrsunfall greifen § 823 BGB **und** § 7 StVG **und** § 18 StVG nebeneinander.
- **Vertrag schlaegt Delikt** — wenn ein Vertrag besteht, sind die vertraglichen Regelungen meist guenstiger für Sie.
- **Verjährung prüfen**: Manche Sondergesetze haben kuerzere Fristen.
## Typische Fehler
- "Ich klage 'auf Gerechtigkeit'." → Kein Anspruch. Sie brauchen eine konkrete Norm.
- "Ich nehme nur eine Anspruchsgrundlage." → Lieber mehrere prüfen — falls eine scheitert, traegt die andere.
- "Ich behaupte einfach, es waere ein Vertrag gewesen." → Sie müssen die Tatsachen vortragen, aus denen der Vertrag folgt (Angebot, Annahme).
## Quellen und Aktualitaet
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