Für Carry, Waterfall und Clawback: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.
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# Carry, Waterfall und Clawback
## Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
## Fachkern: Carry, Waterfall und Clawback
- **Normen-/Quellenanker:** GmbHG, AktG, UmwG, GWB/FKVO, AWG/AWV, KAGB/AIFM-Bezug, LMA-Finanzierung, InsO/StaRUG, Steuer- und Managementbeteiligungsfragen.
- **Entscheidende Weiche:** Bestimme Dealphase, Fondsrolle, Target-Risiko, Finanzierungsstruktur, Consent/CP, Exit-Auswirkung und Konflikt zwischen Sponsor, Management, Lender und Co-Investor.
## Worum geht es konkret
Der Skill übersetzt Excel-Mechanik in juristische Kontrollpunkte und Governance. Carry ist die zentrale Vergütungs- und Anreizstruktur im PE-Fonds; Waterfall regelt die Reihenfolge der Auskehrungen, Clawback sichert die nachträgliche Korrektur bei Übervorteilung des Sponsors. Fokus: LPA-Verzahnung, steuerliche Qualifikation (§ 18 EStG), Escrow-/Sicherheits-Strukturen.
## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen
1. European Waterfall (Whole-of-Fund) oder American (Deal-by-Deal)?
2. Höhe der Preferred Return / Hurdle (Marktstandard 8 Prozent p.a. kumuliert, IRR-basiert)?
3. Catch-Up-Mechanik: 100 Prozent zugunsten GP oder 80/20-Split?
4. Carry-Höhe (Marktstandard 20 Prozent; Top-Quartile-Fonds teilweise 25–30 Prozent über High Hurdle)?
5. Clawback-Logik: bei Final Liquidation, periodisch, mit Escrow?
6. Tax-Distributions vor oder nach Carry?
7. Carry-Allocation an Investment-Team: Vesting, Forfeiture-Klauseln?
8. Wer berechnet Waterfall (Administrator, KVG, externer Auditor)?
## Rechtlicher und transaktionaler Rahmen
LPA Sec. 6 / 7 typisch; KAGB-Anlagebedingungen (§ 67 KAGB); InvStG §§ 1, 20 ff.; § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG für Carry in Personengesellschaft (Carry-Privileg, 60 Prozent steuerpflichtig nach Teileinkünfteverfahren); BFH-Rechtsprechung zur Carry-Qualifikation (ständige Rechtsprechung; konkrete Aktenzeichen vom Anwender zu verifizieren); BMF-Schreiben zu Carried Interest (Stand vom Anwender zu prüfen); ATAD-Hybridregeln (§ 4k EStG); Pillar Two MinStG bei großen Sponsoren (>= 750 Mio. EUR konsolidierter Umsatz); Carry-Allocation arbeitsrechtlich und schenkungsteuerlich (ErbStG); GmbHG bei Management Carry GmbH.
## / Schritt für Schritt
1. Waterfall-Architektur fixieren (European vs. American) — entscheidet über Cashflow-Sequenz und Clawback-Risiko.
2. Stufen definieren: (a) Rückführung LP-Einlagen, (b) Pref/Hurdle 8 % p.a., (c) Catch-Up 100 % GP bis 80/20, (d) 80/20-Split.
3. Carry-Allocation-Vehikel: meist Sponsor-eigene GmbH oder Carry-LP-Vehikel, mit Team-Beteiligung über Vesting/Leaver.
4. Clawback-Architektur: Escrow (typisch 20–30 Prozent der ausgekehrten Carry, 5–7 Jahre); persönliche Garantie der Sponsor-Verantwortlichen ergänzend.
5. Tax-Distributions: meist 35–45 Prozent der Carry-Allocation pre-tax, um persönliche Steuer beim Carry-Recipient sicherzustellen.
6. American Waterfall mit Interim Clawback (Quarterly Lookback) für LP-Schutz.
7. Reporting an LPAC: jeder Distribution Notice enthält Waterfall-Ableitung mit Vorperioden-Aggregaten.
## Trade-off-Matrix
| European Waterfall | American Waterfall |
| --- | --- |
| LP-freundlich; kein Carry bis Whole-of-Fund-Return | GP-freundlich; Carry pro Deal |
| Niedrigeres Clawback-Risiko | Hohes Clawback-Risiko |
| Marktstandard EU | Marktstandard US |
| Verzögerter Cashflow zum Team | Frühere Liquidität für Team |
| Clawback mit Escrow | Persönliche Garantie | Beides kombiniert |
| --- | --- | --- |
| LP-Komfort, GP-Liquidität gebremst | Maximaler LP-Schutz | Marktstandard für Top-Tier-Fonds |
| 20–30 % Escrow typisch | Risiko für Individuum hoch | Belastbarkeit signalisieren |
## Praktikertipps Big-Law-PE
- BFH-Rechtsprechung qualifiziert Carry in Personengesellschaft als Gewinnanteil (60 Prozent steuerpflichtig nach Teileinkünfteverfahren, § 3 Nr. 40a EStG); GmbH-strukturierte Carry kippt häufig in Lohn (volle Steuer).
- ATAD-Hybridregel (§ 4k EStG) kann Carry-Zahlungen blockieren, wenn LUX-Carry-Vehikel und DE-Empfänger asymmetrisch besteuert werden.
- Pillar Two erfasst Carry-Vehikel ab 750 Mio. EUR konsolidiertem Umsatz; Sponsor-Tochter-Strukturen prüfen.
- Clawback-Escrow nicht in Working Capital binden — separates Treuhandkonto bei externer Bank.
- "Hurdle Reset" nach Recycling von Capital — sauber im LPA verankern, sonst Streit bei Distribution.
- "Carve-Out für Loss Carry-Forward" zwischen Investments — bei American Waterfall essentiell für LP-Schutz.
## Mustertexte / SPA-Klauseln
European Waterfall (LPA):
> Distributable Proceeds werden in folgender Reihenfolge ausgekehrt:
> (a) 100 Prozent an Limited Partners pro rata bis zur vollständigen Rückführung der Aggregate Capital Contributions;
> (b) 100 Prozent an Limited Partners pro rata bis zur Erreichung einer kumulativen jährlichen Vorzugsverzinsung ("Preferred Return") von 8 Prozent IRR auf die Capital Contributions;
> (c) 100 Prozent an den General Partner bis Limited Partners und General Partner Distributions im Verhältnis 80:20 erhalten haben ("GP Catch-Up");
> (d) danach 80 Prozent an Limited Partners pro rata und 20 Prozent an den General Partner ("Carried Interest").
Clawback (LPA):
> Bei Final Liquidation des Fonds gilt: Hat der General Partner über den Lebenszyklus mehr Carried Interest erhalten, als ihm bei aggregierter Anwendung des Waterfall zustünde, ist die Überzahlung binnen 60 Tagen an die Limited Partners zurückzuzahlen. Zur Besicherung dieser Verpflichtung wird ein Escrow in Höhe von 30 Prozent jeder Carry-Zahlung auf einem separaten Treuhandkonto bei [Bank] geführt; Escrow-Freigabe erfolgt 5 Jahre nach Final Closing.
## Typische Fehler
- American Waterfall ohne periodisches Interim-Clawback — LP-Übervorteilung droht.
- Carry-GmbH-Strukturierung — Lohnsteuer-Reklassifikation.
- Escrow im Sponsor-Cash-Pool — bei Insolvenz Verlust.
- Hurdle-Reset bei Recycling vergessen.
## Quellen Stand 06/2026
- KAGB § 67; LPA als zentraler Vertrag.
- § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG; § 3 Nr. 40a EStG; § 4k EStG (ATAD-Hybridregel).
- BFH ständige Rechtsprechung zu Carried Interest (konkrete Az. vom Anwender zu verifizieren).
- BMF-Schreiben zu Carried Interest (Stand vom Anwender mit aktuellem BMF zu prüfen).
- MinStG (Pillar Two seit 01.01.2024).
- InvStG §§ 1, 20.
- ILPA Principles 3.0 und Carry Best Practice Guidance (Stand vom Anwender zu prüfen).
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