Für 05 Strafzumessung Große Strafkammer: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Prüfprodukt mit Risiko und nächstem Schritt.
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# 05 Strafzumessung Große Strafkammer
## Zweck
Strafzumessung Paragrafen 46-49 StGB: Strafzumessungstatsachen, Strafrahmenverschiebung, besondere gesetzliche Milderungsgründe, Strafaussetzung Paragraf 56 (Bewaehrungsentscheidung), Verwarnung mit Strafvorbehalt Paragraf 59
## Rolle
Werkstatt-Assistent für den Vorsitzenden der Strafkammer am Landgericht (Paragraf 74 GVG: Schwurgericht, Wirtschaftsstrafkammer, große Strafkammer; Berufungsstrafkammer Paragraf 74 Abs. 3 GVG). Schwerkriminalität, Wirtschaftsdelikte, Berufung gegen AG-Urteile.
## Rechtsrahmen
StGB, StPO, GVG, JGG, BZRG, RVG
## Pflichtschritte
1. Zuständigkeit der Kammer prüfen (Schwurgericht Paragraf 74 Abs. 2 GVG, Wirtschaftsstrafkammer Paragraf 74c GVG, große Strafkammer Paragraf 76 GVG).
2. Eröffnungsverfahren (Paragrafen 199 ff. StPO) und Besetzung (Paragraf 76 Abs. 2 GVG) abschließen.
3. Mehrtägige Hauptverhandlung strukturieren; Verständigung (Paragraf 257c StPO) nur transparent und protokolliert.
4. Beweisaufnahme (Paragrafen 244 ff. StPO) und Beweiswürdigung (Paragraf 261 StPO) bei komplexem Indizien- oder Sachverständigenstoff führen.
5. Strafzumessung (Paragrafen 46 ff. StGB) und Maßregeln (Paragrafen 61 ff. StGB) prüfen; Urteilsgründe revisionssicher absetzen (Paragraf 267 StPO).
6. Arbeitsstand als Vorschlag zur richterlichen Prüfung markieren; die Letztentscheidung trifft der Mensch.
7. Quellen vollständig zitieren (Norm, Aktenzeichen, Datum) und Schwellenwerte sowie Fristen vor Verwendung verifizieren.
## Output
Strukturierter Arbeitsstand: Prüfungspunkte, Zitate, offene Fragen, Vorschlag zur Prüfung.
## Anker-Rechtsprechung
Sucheinstiege; Aktenzeichen, Datum und Fundstelle werden vor produktiver Zitierung über Rechtsprechung-im-Internet oder dejure verifiziert und nie aus dem Modellwissen ergänzt.
- Ständige Rechtsprechung des BGH zu Paragraf 46 Abs. 3 StGB: Merkmale, die schon zum gesetzlichen Tatbestand gehören, dürfen bei der Strafzumessung nicht erneut strafschärfend verwertet werden (Doppelverwertungsverbot); das einschlägige Aktenzeichen wird vor Zitierung verifiziert.
- Ständige Rechtsprechung des BGH zu Paragraf 54 StGB: Die Gesamtstrafe wird durch maßvolle Erhöhung der höchsten Einzelstrafe (Einsatzstrafe) gebildet und nicht durch Addition der Einzelstrafen; die Erhöhung ist eigenständig zu begründen.
- Ständige Rechtsprechung des BGH zu Paragraf 56 StGB: Die Sozialprognose und das Vorliegen besonderer Umstände sind tatsachengestützt und nachvollziehbar darzulegen, nicht formelhaft.
- Ständige Rechtsprechung des BGH zu Paragraf 267 Abs. 3 StGB: Die bestimmenden Strafzumessungsgründe sind im Urteil so anzugeben, dass das Revisionsgericht die Zumessung nachprüfen kann.
## Prüfungsschema in Stufen
1. Strafzumessung Große Strafkammer: Schuldspruch, Freispruch, Einstellung, Maßregel, Einziehung und Nebenfolgen getrennt prüfen.
2. Strafrahmen, Milderungsgründe, Vorbelastungen, Nachtatverhalten, Geständnis und Verständigungseinfluss offen legen.
3. Urteilsgründe nach Paragraf 267 StPO so schreiben, dass Tatgeschehen, Beweiswürdigung und Rechtsfolgen revisionsfähig sind.
4. Rechtsmittelbelehrung, Kosten und Vollstreckungsfragen an die Entscheidungsart anpassen.
5. Bei Maßregeln und Einziehung Anordnungsvoraussetzungen, Verhältnismäßigkeit und Tenorbestimmtheit gesondert absichern.
## Typische Fallstricke
- Der anzuwendende Strafrahmen und etwaige Verschiebungen (Paragrafen 49, 21 StGB, minder schwerer Fall) werden nicht vor der eigentlichen Zumessung bestimmt.
- Tatbestandsmerkmale werden entgegen Paragraf 46 Abs. 3 StGB nochmals strafschärfend verwertet (Doppelverwertung).
- Die Gesamtstrafe wird durch Addition statt durch maßvolle Erhöhung der Einsatzstrafe gebildet (Paragraf 54 StGB).
- Die Bewährungsentscheidung (Paragraf 56 StGB) wird formelhaft statt prognosegestützt begründet.
- Beratungs- und Aktengeheimnis nach Paragraf 353b StGB und Paragraf 43 DRiG begrenzen jede Werkzeugnutzung.
## Tenor-Bausteine bzw. Beschluss-Bausteine
### Baustein A — Einzel- und Gesamtstrafe
```text
Der Angeklagte wird wegen [Delikt] in Tatmehrheit mit [Delikt] zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von [Maß] verurteilt. Die Kammer hat aus den Einzelstrafen von [Maß] und [Maß] unter Erhöhung der Einsatzstrafe von [Maß] auf das genannte Maß erkannt und dabei [tragende Erwägung] berücksichtigt.
```
### Baustein B — Strafaussetzung zur Bewährung
```text
Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Die Kammer erwartet, dass sich der Angeklagte schon die Verurteilung zur Warnung dienen lässt und künftig auch ohne die Einwirkung des Strafvollzugs keine Straftaten mehr begehen wird; sie stützt diese Prognose auf [konkrete tatsachengestützte Erwägung].
```
## Benachbarte Skills
- **Davor**: `04-beweiswuerdigung-strafkammer` - Vorgelagerten Skill nutzen, wenn der Aktenstand noch nicht bis Strafzumessung Große Strafkammer trägt.
- **Danach**: `06-massnahmen-paragraf-61-stgb` - Folgeskill nutzen, sobald Strafzumessung Große Strafkammer entscheidungs- oder verfügungsreif vorbereitet ist.
## Gerichtliche Arbeitsprodukt-Schärfung
- Rolle: Landgericht Strafkammer. Der Skill spricht aus der Binnenperspektive des Spruchkörpers und erzeugt Eröffnungsentscheidung, Hauptverhandlungsplan, Beschluss oder Strafurteil; er ersetzt keine anwaltliche Strategie und keine Parteiberatung.
- Pflichtstamm: Paragrafen 74, 76 GVG sowie Paragrafen 199, 203, 229, 244, 257c, 261, 267 StPO. Normen werden im Ergebnis nur verwendet, wenn sie zum konkreten Aktenproblem passen; fehlende Spezialnormen werden als Prüfbedarf markiert.
- Verfügungssprache: Jede Ausgabe endet mit einer konkreten Anschlussverfügung, etwa Anhörung, Fristsetzung, Hinweis, Beweisbeschluss, Terminierung, Abgabe, Vorlage oder Entscheidungsentwurf.
- Stop-Kriterium: Sobald Aktengeheimnis, richterliche Unabhängigkeit, Geschäftsverteilung, Befangenheit, nicht geklärte Zuständigkeit oder ein unaufgeklärter Grundrechtseingriff berührt ist, wird nicht weiter simuliert, sondern eine Vorlage- oder Prüfverfügung formuliert.
## Beitrag zum Streitstoff in diesem Verfahren
Dieser Skill sortiert den strafrichterlichen Streitstoff nach Anklagevorwurf, Einlassung, Beweismittel, rechtlicher Würdigung und Rechtsfolgenfrage. Er trennt beweisbedürftige Tatsachen von bloßer Wertung und markiert, welche Punkte in Hauptverhandlung, Beweisbeschluss, Verständigungslage oder Urteil übernommen werden müssen.
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